Damit die Strahlung bleibt, wo sie hingehört – Strahlenschutzglas sorgt für Sicherheit

Radioaktive Strahlung und Röntgenstrahlen werden in vielen Bereichen der Medizin und Technik eingesetzt. Wo die Strahlen für den ungeschützten menschlichen Körper gefährlich sind, sorgen Strahlenschutzgläser für Sicherheit.

Strahlung ist nicht gleich Strahlung

Radioaktivität bezeichnet die Umwandlung instabiler Atomkerne in andere Atomkerne. Dabei wird Energie in Form von Strahlung freigesetzt. Zu den bekanntesten Arten radioaktiver Strahlung zählen Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Sie unterscheiden sich unter anderem in ihrer Reichweite, ihrer Wirkung und dem erforderlichen Aufwand zur Abschirmung.

In der Medizin kommen verschiedene Strahlungsarten zum Einsatz. Gammastrahlung wird beispielsweise in der Strahlentherapie und in der Nuklearmedizin genutzt. Röntgenstrahlung spielt dagegen vor allem in der Diagnostik eine wichtige Rolle. Sowohl Röntgen- als auch Gammastrahlung gehören zu den elektromagnetischen Strahlen und wirken ionisierend. Das bedeutet, dass sie in lebenden Organismen Veränderungen hervorrufen können und bei zu hoher oder ungeschützter Einwirkung Gewebe schädigen.

Moderne medizinische und technische Anlagen arbeiten deshalb mit möglichst geringen und genau kontrollierten Strahlendosen. Der Schutz von Patientinnen und Patienten sowie des medizinischen, technischen und wissenschaftlichen Personals ist dennoch besonders wichtig. Denn nicht jede Strahlungsart lässt sich gleich einfach abschirmen.

Alpha-Strahlung kann beispielsweise bereits durch ein Blatt Papier, dünne Pappe oder eine kurze Strecke in der Luft abgeschirmt werden. Gammastrahlung und Röntgenstrahlung hingegen besitzen eine deutlich höhere Durchdringungskraft. Deshalb erfordern sie spezielle Schutzmaßnahmen und geeignete Abschirmungen. Dabei übernimmt Strahlenschutzglas eine wichtige Funktion, da es zuverlässigen Schutz bietet und gleichzeitig eine klare Sichtverbindung ermöglicht.

Einsatz von Strahlung in Technik und Medizin

Der Mensch setzt radioaktive Strahlung im technischen, medizinischen und wissenschaftlichen Bereich gezielt ein. In der Technik kommt sie beispielsweise bei radiometrischen Füllstandsmessungen, Materialprüfungen, Elementanalysen und Präzisionsmessungen in der chemischen Analytik zum Einsatz. Auch in industriellen Prüfverfahren spielt Strahlung eine wichtige Rolle, etwa wenn Schweißnähte, Bauteile oder Materialien zerstörungsfrei kontrolliert werden sollen.

In der Medizin kommen verschiedene Formen von Strahlung in zahlreichen Bereichen zum Einsatz. Röntgenstrahlung wird im medizinischen Alltag für viele diagnostische Zwecke genutzt, beispielsweise in der Radiologie, in der Computertomografie, in der Mammografie, in der Zahnmedizin oder in der Unfallchirurgie. Sie kann den menschlichen Körper durchleuchten und unterstützt Ärztinnen und Ärzte so bei der Diagnose von Erkrankungen oder Verletzungen. Auch in der Krebstherapie kommt Strahlung gezielt zum Einsatz, um Tumorgewebe zu behandeln.

Bei all diesen Anwendungen wird die Strahlung gezielt und dosiert eingesetzt, um eine unnötige Belastung von Gewebe und Organen zu vermeiden. Neben dem Schutz der Patientinnen und Patienten ist auch die Abschirmung des technischen, medizinischen und wissenschaftlichen Personals wichtig. Dabei übernimmt Strahlenschutzglas in verschiedensten Ausführungen eine bedeutende Funktion, da es zuverlässigen Schutz bietet und gleichzeitig die notwendige Sichtverbindung ermöglicht.

Was ist Strahlenschutzglas?

Strahlenschutzglas ist ein Spezialglas, das überall dort zum Einsatz kommt, wo trotz Strahlenschutzanforderungen Sichtverbindungen notwendig sind. Damit das Glas ionisierende Strahlung zuverlässig abschirmen kann, wird ihm Bleioxid beigemischt. Blei hat eine besonders hohe Dichte und eignet sich daher sehr gut, um Röntgen- und Gammastrahlung zu reduzieren. So entsteht ein Glas, das transparent bleibt und gleichzeitig eine schützende Barriere zwischen Strahlenquelle und Personen bildet.

Je nach Bleioxidgehalt, Dichte und Schutzwirkung gibt es verschiedene Ausführungen von Strahlenschutzglas. Entscheidend ist dabei der sogenannte Bleigleichwert. Er gibt an, welcher Schutzwirkung einer entsprechenden Bleischicht das Glas entspricht.

  • RD30:
    ist ein monolithisches Strahlenschutzglas mit einem Bleigleichwert von 0,5 mm Pb. Es bietet Schutz vor schwacher Gamma- und Röntgenstrahlung, wie sie beispielsweise bei der Mammografie oder bei bestimmten Anwendungen der Materialprüfung zum Einsatz kommt. RD30 wird vor allem dort verwendet, wo ein zuverlässiger Strahlenschutz mit guter optischer Transparenz kombiniert werden soll.
  • RD50:
    ist ein sogenanntes Schwerflintglas mit einem Bleioxidgehalt von mehr als 65 Gewichtsprozent und einer Dichte von mindestens 5,05 g/cm². Im Vergleich zu RD30 verfügt RD50 über einen deutlich höheren Strahlenschutz und wird daher bei anspruchsvolleren Anwendungen eingesetzt. Typische Einsatzbereiche sind die Computertomografie, die Positronen-Emissions-Tomografie, Radiologieräume, Strahlenschutztüren oder Sichtfenster in medizinischen und technischen Kontrollbereichen. Die Bleigleichwerte starten bei 1,6 mm und erreichen Werte bis 6,1 mm.

Wo kommt Strahlenschutzglas zum Einsatz?

Strahlenschutzglas kommt überall dort zum Einsatz, wo Strahlung verwendet wird und gleichzeitig eine sichere Sichtverbindung erforderlich ist. Dies ist besonders in medizinischen Bereichen wichtig, in denen Ärztinnen, Ärzte oder medizinisches Fachpersonal Patientinnen und Patienten während einer Untersuchung beobachten müssen, ohne sich selbst unnötiger Strahlung auszusetzen. Sichtfenster aus Strahlenschutzglas ermöglichen es, den Untersuchungsraum gut einzusehen und den Zustand der zu untersuchenden Person jederzeit im Blick zu behalten.

Je nach baulicher Situation und Anforderung reicht ein einzelnes Sichtfenster jedoch nicht immer aus. In manchen Bereichen werden daher größere Panoramaverglasungen eingesetzt, um eine bessere Übersicht zu schaffen oder um mehrere Arbeits- und Kontrollbereiche miteinander zu verbinden. 

Findet eine Untersuchung statt, bei der sich die untersuchende Person und die Patientin oder der Patient im selben Raum befinden, sind ebenfalls geeignete Schutzmaßnahmen erforderlich. In solchen Fällen schützen mobile Strahlenschutzwände, spezielle Abschirmungen oder Strahlenschutzglas das medizinische Personal vor unnötiger Strahlenbelastung.

Neben Krankenhäusern, Radiologien und Zahnarztpraxen wird Strahlenschutzglas auch in technischen und wissenschaftlichen Bereichen eingesetzt. Dazu zählen unter anderem Labore, Materialprüfungslabore, Forschungseinrichtungen und industrielle Prüfräume. Überall dort verbindet Strahlenschutzglas zuverlässige Abschirmung mit freier Sicht auf Prozesse, Untersuchungen oder Messabläufe.

Eigenschaften von Strahlenschutzglas

Strahlenschutzglas verbindet eine zuverlässige Schutzwirkung mit klarer Transparenz. Obwohl dem Glas Bleioxid beigemischt wird, bleibt die Durchsicht erhalten. Dadurch können Räume, Untersuchungsbereiche oder technische Anlagen gut eingesehen werden, ohne dass der notwendige Strahlenschutz beeinträchtigt wird. Genau diese Kombination aus Sicherheit und Transparenz macht Strahlenschutzglas für medizinische, technische und wissenschaftliche Anwendungen so wertvoll.

Strahlenschutzglas